SWOT-Analyse

Die Expertengruppe hat sich in drei Workshops intensiv mit den Stärken, Schwächen, Chancen und Gefahren der Berufsbildung auseinandergesetzt. Dabei sind auch die Diskussionen zu den Megatrends sowie zu Stärken und Schwächen auf dieser Plattform eingeflossen (PDF).

Stärken (S)

S1) Die Berufsbildung erreicht eine breite Zielgruppe

Die Berufsbildung erreicht 2/3 aller Jugendlicher und trägt dadurch wesentlich zum Erreichen des 95%-Ziels bei.

S2) Die Berufsbildung qualifiziert für den Arbeitsmarkt

Die enge Verknüpfung mit der Arbeitswelt und die relativ rasche Anpassung der Lerninhalte befähigt die Personen mit Berufsabschluss für den Arbeitsmarkt und bildet somit den Grundstein für die berufliche Laufbahn.

S3) Es besteht ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis

Die Berufsbildung hat mehrheitlich ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis für den ausbildenden Betrieb.

S4) Die staatliche Anerkennung sichert die Qualität

Die staatliche Anerkennung der Abschlüsse sichert eine einheitliche Qualität.

S5) Die Lerninhalte werden relativ rasch und präzise an veränderte Anforderungen angepasst

Durch die enge Verknüpfung mit der Arbeitswelt gelingt es der beruflichen Grundbildung, die Lerninhalte relativ präzise und schnell an den Wandel der Berufe anzupassen.

S6) Die berufliche Grundbildung und HBB bauen aufeinander auf

Schwächen (W)

W1) Das System ist komplex und träge

Die zahlreichen Verflechtungen von Verantwortlichkeiten zwischen den vielen Interessensgruppen und den föderalen Strukturen führen insgesamt zu einem komplexen und trägen System.

W2) Es besteht Unwissen über das (Berufs)Bildungssystem

Bei (internationalen) Unternehmen, den Eltern und den potentiellen Lernenden fehlen Kenntnisse bzw. bestehen Unklarheiten zum System und den Möglichkeiten der Bildungswege.

W3) Erwachsene werden zu wenig berücksichtigt

Erwachsene werden in der beruflichen Grundbildung bezüglich Bildungsangebot und Laufbahnberatung als Zielgruppe zu wenig berücksichtigt.

W4) Der Zeitpunkt und das Ausmass der Spezialisierung sind nicht einheitlich

Der Zeitpunkt und das Ausmass der Spezialisierung in der Berufsbildung sind uneinheitlich und führen zu Abgrenzungsschwierigkeiten zwischen HBB und BGB.

W5) Es bestehen Lücken in den Bildungsinhalten

Die Bildungsinhalte weisen insbesondere im allgemeinbildenden Teil (Sprachen, IKT-Kompetenzen, Nachhaltigkeitsaspekte) sowie bei der Vermittlung von Kompetenzwissen und Softskills (abstraktes/ systemisches/ kritisches Denken etc.) Lücken auf.

W6) Die Herkunft bestimmt den Bildungsweg

Die Wahl des Bildungsweges und des Berufs wird durch die soziale und geographische Herkunft und das Geschlecht bestimmt. Dadurch findet keine optimale Allokation der Talente statt.

Chancen (O)

O1) Es entstehen neue Lehrstellen und Berufsfelder

Durch die Digitalisierung, die Dienstleistungsgesellschaft, zunehmende Ressourcenknappheit und die zunehmende Alterung werden neue, attraktive Berufsfelder sowie Arbeits- und Lehrstellen in wachsenden Wirtschaftszweigen geschaffen.

O2) Es entstehen neue Lernformen

Die Digitalisierung ermöglicht flexible (ort- und zeitunabhängig) und auf die individuellen Bedürfnisse massgeschneiderte Lernformen.

O3) Der Trend Upskilling/Lebenslanges Lernen fördert die Schaffung von neuen Bildungsangeboten

Upskilling und Lebenslanges Lernen fördern neue Karrierewege und somit neue Angebote in der Berufsbildung. Dabei werden zusätzlich zu den klassischen Weiterbildlungen vermehrt auch Zweitausbildungen und Requalifizierungen nachgefragt.

O4) Der Bedarf an Fachkräften nimmt zu

Der Bedarf der Wirtschaft und der Gesellschaft nach gut ausgebildeten Fachkräften steigt, insb. aufgrund des demografischen Wandels, der Digitalisierung und der Dienstleistungsgesellschaft.

O5) Neu geschaffene Instrumente erhöhen die Effizienz und Effektivität von Prozessen

Die Digitalisierung und der technologische Wandel schaffen neue Instrumente, die zu einer effizienteren und effektiveren Ausgestaltung von Prozessen führen.

O6) Transversale Kompetenzen gewinnen an Bedeutung

Mit der zunehmenden digitalen Vernetzung und der damit verbundenen Demokratisierung des Wissens sowie der höheren Flexibilität der Arbeitsbeziehungen gewinnt transversale und kompetenzorientiertes Wissen gegenüber reinem Fachwissen an Bedeutung.

Gefahren (T)

T1) Das Tempo der Veränderungen im Arbeitsmarkt ist hoch

Das hohe Tempo der Veränderungen im Arbeitsmarkt aktuell insbesondere aufgrund der Digitalisierung und der technologischen Entwicklung führt zu einem raschen Wandel der Inhalte und Lernmethoden des Berufsbildungssystems.

T2) Die Globalisierung führt zu einem Anpassungsdruck auf das Bildungssystem

Mit der Globalisierung steigt der Druck, das Bildungssystem an internationale Standards anzupassen.

T3) Das steigende Anforderungsniveau erschwert die Integration in die Arbeitswelt

Das steigende Anforderungsniveau erschwert die Integration von leistungsschwachen Jugendlichen/Arbeitskräften in die Berufsbildung bzw. den Arbeitsmarkt.

T4) Es besteht eine verstärkte Nachfrage nach spezifischen Kompetenzen statt Berufsbildern

Eine erhöhte Flexibilität und Mobilität der Arbeitsbeziehungen verstärkt die Nachfrage nach einzelnen Kompetenzen statt spezifischen Berufsbildern.

T5) Einzelne Lehrstellen und Berufsgruppen verschwinden

Durch die Digitalisierung und die technologische Entwicklung sowie die Globalisierung und die zunehmende Bedeutung des Dienstleistungssektors verschwinden gewisse Lehrstellen, Arbeitsplätze oder Berufe.

T6) Die unterschiedlichen Geschwindigkeiten zwischen den Branchen bzw. den Betrieben akzentuiert sich

Das hohe Tempo der Digitalisierung und der technologischen Entwicklung führt zu einer Akzentuierung der unterschiedlichen Geschwindigkeiten zwischen Branchen bzw. zwischen Betrieben innerhalb einer Branche.

T7) Der Kostendruck auf die Bildungsaufgaben nimmt zu

Der zunehmende Kostendruck beim Staat und der Wirtschaft führen dazu, dass die Bildungsausgaben vermehrt bezüglich Effizienz und Effektivität hinterfragt werden.

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